Vorwort
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Irgendwann im Leben eines jungen Menschen kommt der Moment, an dem man beginnt zurück zu denken. Man erfährt, wie Ereignisse zu Geschichte werden, die das Gesicht der Welt verändern. Man bemerkt, dass sich alles ständig verändert, dass alles immer im Wandel und in stetiger Bewegung ist. Zu diesem Zeitpunkt lernt man ältere Generationen zu verstehen, wenn sie von »früher« reden.
Es passiert unglaublich viel, sodass man filtern muss an der enormen Anzahl von Informationen, die uns täglich erreichen. Eine Flut von Eindrücken bedrückt, ja erdrückt uns täglich. Mord, Todschlag, Krieg und Terror – religiös beeinflusst. Geld, Macht, Auf- und Abstieg, gesellschaftliche Defizite, Randgruppen, Sorgenkinder, Gewalt von allen Seiten.
Der Stärkere überlebt und die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. In der Bundesrepublik und auf der ganzen Welt. Der Druck auf die Jugend war nie größer. Welche Wahl hat man heute? Entweder passt man sich so sehr an, dass es an gesunder Charakterformung fehlt. Durch das Gehalt am Monatsanfang wird man dann für den Verzicht auf Ideale, die Vernachlässigung sozialer Kontakte und ein eigenes Leben entschädigt. Das Gehalt wird zum Schmerzensgeld. Oder man versagt in dieser Gesellschaft. Beide Seiten werden immer ausgeprägter und extremer.
Wie soll man mit dieser Belastung umgehen? Wir, in der westlich kapitalistischen Welt, können uns in den Konsum stürzen, unsere Bedürfnisse mit Gegenständen und Dienstleistungen befriedigen. Wir kaufen technische Geräte, gönnen uns ein Wellness-Wochenende mit Nagelpflege, schrauben den Flachbildschirm an die Wand und gucken uns die Fotos vom letzten Mallorca-Urlaub an, den wir für 19.90 Euro gebucht haben – online versteht sich. Denn auch wir sind in ständiger Bewegung.
Wir können uns aber auch in eine spirituelle Welt flüchten. Wir lassen uns die Karten legen, uns etwas über die Zukunft sagen. Wir rücken Gläser oder vernebeln unsere Wohnungen mit Räucherstäbchen und zünden Kerzen an. Wir können auch beten. Nicht zum Geld, sondern zu Gott. Für einen Teil der Bevölkerung wird auf der Suche nach Halt und Werten die Religion wieder wichtig. In dem Lied »Stück vom Himmel« singt Herbert Grönemeyer, das Religionen für Moral gemacht seien . Der Verlust von Moral ist ein Zeichen unserer Zeit. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen auf der Suche nach einem Sinn sind und Antworten auf Fragen finden möchten, wo die Gesellschaft doch in einem Ungleichgewicht steht.
Einen Begriff, auf dem ich beim Nachdenken immer wieder stoße ist »Komplexität«. Alles ist so enorm komplex, dass es unter »normalen« Umständen kaum möglich ist, alles aufzusaugen, zu analysieren und zu reflektieren. So blieb es mir während der Arbeit an diesem Buch nur erlaubt, an der Oberfläche zu kratzen.
Logische Konsequenz
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Ich habe mich dazu entschlossen, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die die Welt in gewisser Weise verändert haben – sei es global, regional oder sei es im Kleinsten vielleicht nur die Welt in mir durch die geistige Auseinandersetzung. Mich interessieren die Köpfe, die diese Veränderungen ausgelöst haben und die Idee hinter ihrem Schaffen. Worin liegt ihre Motivation und ihr Antrieb? Dies sind grundlegende Bedürfnisse eines jeden Menschen.
So ist dieses Buch eine logische Konsequenz meiner Neugier. Die Komplexität der Menschen und Themen, sowie der beschränkte Zeitraum, erlauben es mir, nur Fragmente aufzuzeigen und leider nicht alle Geschehnisse, die mein Interesse geweckt haben.
Dabei bin ich beeinflusst von meiner Wahrnehmung, die geprägt ist durch die Gesellschaft in der ich lebe, ebenso wie durch die Kultur und mein Umfeld. Dies ist eine Gesetzmäßigkeit. Wäre ich also beispielsweise im Mittleren Osten geboren, aufgewachsen und erzogen worden, wäre dieses Buch aus einer anderen Sicht entstanden. Der Begriff der Wahrheit drängt sich an diesen Gedanken. So gibt es neben meiner Wahrheit, die Wahrheit einer anderen Person, ebenso wie die allgemeine Wahrheit und zu guter Letzt das, was wirklich passiert ist. Letzteren Punkt vermag kein Mensch für sich zu beanspruchen.
Wahrnehmung
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Die Feststellung der eigenen Wahrnehmung soll der Ausgangspunkt meines Buches sein. Ich erlaube mir Ereignisse zu skizzieren, die ich wahrgenommen habe, entweder aktiv oder im Nachhinein durch Recherche. Diese Geschehnisse sind subjektiv ausgesucht, also so, dass ich sie aufgrund der Formung meines Charakters für interessant erachte. Dabei steht mir zu – wie jedem anderen übrigens auch – zu bewerten und meine aus meinen Erkenntnissen entwickelte Meinung zu äußern. Dieses Gut ist im deutschen Grundgesetz verankert. So ist es nach meiner Ansicht wichtig, hiervon Gebrauch zu machen. Ich wünsche mir diese Freiheit für jeden Menschen und wir sollten diese Mündigkeit nicht als selbstverständlich ansehen.
Um Gerhard Schröder wissenschaftlich zu bearbeiten, hätte ich ihn spätestens zu Beginn seiner Amtszeit als Bundeskanzler streng beobachten müssen, besser früher. Um die Taten der Brigitte Mohnhaupt wirklich nachvollziehen zu können, hätte ich physisch ein Kind der 60er/70er Jahre sein müssen, um den Geschmack und Geruch der Zeit schmecken und riechen zu können. Die Tat des Armin Meiwes scheinen einem gesunden Kopf nicht verständlich zu sein. So bleibt mir nur die Fantasie und mein freies Denken, um nachvollziehen zu können, was in Rotenburg geschehen ist.
Meiner Generation wird Gleichgültigkeit, politisches und kulturelles Desinteresse vorgeworfen. Ich muss eingestehen, dass das in vielerlei Hinsicht zutrifft. Damit zufrieden geben werde ich mich aber nicht. Diese Generation ist ein Produkt ihrer Eltern. Sie kann nichts für ihr Dasein. Die Gesellschaft ist nicht von ihr gestaltet. Wir dürfen die nachfolgenden Generationen nicht im Stich lassen und müssen Verantwortung übernehmen. Dies können wir nur tun, wenn wir ein positives Vorbild sind und Haltung annehmen. So liegt es mir am Herzen, Stellung zu dem zu nehmen, was von 1983, dem Jahr meiner Geburt, bis 2008 geschehen ist – Ereignisse, die die Welt und unsere Gesellschaft positiv wie negativ geprägt haben. Ein viertel Jahrhundert aus meiner Sicht – also aus einem von unendlich vielen und subjektiven Blickwinkeln auf die Wirklichkeit. Das Nachdenken und Wiedergeben fordert Energie, die Unschärfe nimmt Konturen an. Alles bleibt relativ.
– Malte Metag, Herbst 2008

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